Seebach

Die theologischen Gesichtspunkte zum Bau von Pfarrer
E. Hurter (Auszug aus der Schweiz. Bauzeitung 1950)

 

Markuskirche innen altes Pfoto
 
Die Baugeschichte der reformierten Kirche zeigt eine auffällige Abhängigkeit vom katholischen Vorbild. Das ist - historisch gesehen - begreiflich, denn die Erneuerung des Gottesdienstes zur Zeit der Reformation hat nicht ohne weiteres auch eine Erneuerung des Gotteshauses zur Folge haben können. Damals blieb der reformierten Kirche nichts anderes übrig, als den katholischen Kirchenraum zu übernehmen und ihn durch ein paar Improvisationen dem reformierten Gottesdienst dienstbar zu machen. Bei den späteren Neubauten siegte meistens der Konservativismus und es blieb - von rühmlichen Ausnahmen abgesehen - bei der katholischen Konzeption des Kirchenbaues - und das bis auf den heutigen Tag. Ein reformierter Kirchenbautypus, der allgemein Anerkennung gefunden hätte, lässt immer noch auf sich warten. Aber das lässt sich nicht bestreiten: So sehr der reformierte Gottesdienst vom katholischen verschieden ist, so sehr sollte sich auch die reformierte Kirche in ihrer Raumgestaltung von der katholischen zu unterscheiden wissen.
 
Dem Bau der Markuskirche in Zürich-Seebach ging eine umfassende theologische Besinnung voraus. Schon bei der Beurteilung der Wettbewerbsprojekte durch das Preisgericht wurde sehr grundsätzlich vorgegangen. Das Preisgericht hatte sich zum Voraus auf gewisse Prinzipien geeinigt und dementsprechend die Prämierungen vorgenommen. So wurde denn auch die spätere Gestaltung der Kirche nach wohlüberlegten Grundsätzen bis in alle Einzelheiten durchgeführt - im Bestreben, eine echt reformierte Kirche zu schaffen.
 
Folgende Überlegungen waren beim Bau der Markuskirche massgebend:
Eine reformierte Kirche darf nur mit Vorbehalt als «Gotteshaus» aufgefasst werden. Diese Bezeichnung ist zum mindesten missverständlich, denn es heisst ausdrücklich:
 
Gott, der Herr des Himmels und der Erden, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.
 
Die reformierte Kirche hat nur insofern sakrale Bedeutung, als sie der Versammlungsraum der gläubigen Gemeinde ist, die sich hier zusammenfindet, um Gottes Wort anzuhören und ihrerseits Gott zu loben und zu danken. Es lohnt sich wohl, für diesen Zweck ein besonderes Haus zu bauen und ihm einen besonderen Charakter zu geben. Da der echte reformierte Gottesdienst von eindeutiger Klarheit ist, hat auch der Gottesdienstraum lichtvoll und klar zu sein. Das schliesst eine schlichte Erhabenheit nicht aus. Im Gegenteil: Man darf es dem Raum anspüren, dass hier die Anbetung Gottes ihren Platz hat.

Für die reformierte Kirche und ihren Gottesdienst

sind zwei Elemente konstitutiv: Wort und Sakrament. Beide richten sich nicht an vereinzelte, einander nichts angehende Zuhörer und Zuschauer, sondern setzen eine Gemeinschaft unter den gläubigen Gottesdienstbesuchern voraus, bzw. sie schaffen - wenn sie kraftvoll genug sind - diese Gemeinschaft. Es ist darum in einer reformierten Kirche alles nach dem Wort und Sakrament auszurichten, und zwar so, dass dabei die Gottesdienstbesucher ihre Einheit und Zusammengehörigkeit erleben können. Auf den Gemeinschaftscharakter des reformierten Gottesdienstes gilt es durch eine geeignete Anordnung der Sitzreihen Rücksicht zu nehmen. Anstelle des langgezogenen Kirchenschiffes wurde in Seebach eine Form gewählt, die es erlaubt, die Sitzreihen zu konzentrieren und zu zentralisieren. Die Gemeinde wird um die Kanzel und den Abendmahlstisch herum gruppiert. Alles Trennende ist im Raum vermieden. Für irgendwelchen Separatismus ist kein Platz. Daher keinerlei Nischen und auch keine hohen, vom übrigen Kirchenraum losgelöste Emporen mit Separateingängen! Aber auch kein besonderes Gestühl für «ausgezeichnete» Gemeindeglieder und selbstverständlich keine hohen Säulen, die den Raum unnötig unterteilen und ihm die Einheit und Geschlossenheit nehmen!

 

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