Seebach
Buhnhügel 1938
 

 Städtebauliche Situation / Lage

Die Anlage mit Kirche, freistehendem Glockenturm, Gemeindesaal, Sigristenwohntrakt und Pfarrhaus steht erhöht auf dem Buhnhügel und ist schon von weither sichtbar. Das Schulhaus Buhnrain grenzt direkt an die Anlage. Beide Umgebungsgestaltungen gehen fliessend ineinander über. Die Kirche ist erschlossen über den Höhenring sowie über einen Fussweg, der vom Quartier hinaufführt.
Die Kirchenumgebung ist zeittypisch gestaltet mit geschwungenen Natursteinwegen, grosszügigen Rasenflächen, Natursteinmauern, Rabatten und vereinzelten Strauch- und Baumpflanzungen. Der Platz vor der Kirche nimmt die Form des achteckigen Kirchenbaus auf, wechselnde Weg- und Rasenstreifen gliedern den Bereich. Gefasst wird der Platz durch eine Stützmauer. Der Vorbereich zwischen Kirche und Gemeindehaus ist gepflästert und mit polygonalen Platten belegt.
 

Baubeschreibung

Achteckiger Zentralbau unter Zeltdach. Ein niedriger offener Umgang mit Pultdach auf runden Stützen säumt die Ost- und Südfassade. Der Haupteingang zur Kirche befindet sich im Westen¹. Umlaufende, dreiteilige Fenster. Interessante Konstruktion: sichtbares Eisenbetonskelett, ausgefacht mit Sandsteinquadern und Backsteinhintermauerung. Im Innern entspricht die Kanzelwand mit grossem Steinkreuz der westlichen Kirchenwand, davor leicht erhöhtes Podest mit Kanzel und Abendmahltisch. Nördlich davon steht die Orgel. Emporen im Westen, über drei Seiten des Achtecks verlaufend. Die flächigen Grundformen im Innern erhalten durch die Riefelung der Wände, die Lattung der zentralen Decke sowie die durch die lamellenartigen Stäbe vor den Fenstern eine feine Oberflächentextur.
 

Würdigung

Bei der Markuskirche handelte es sich in den vierziger Jahren um ein äusserst umstrittenes Projekt, da aus theologischen und ästhetische Gründen auf den traditionellen Kirchengrundriss mit Langhaus und Chor verzichtet wurde. Die achteckige Form nimmt den Gedanken der im Kreis versammelten Gemeinde auf. Dennoch reiht sich der schlichte und in sich geschlossene Bau sowohl typologisch als auch stilistisch in die Architekturtradition der späten vierziger Jahre ein. Auch die Gestaltung des Innenraums mit den verschiedenen Oberflächenmaterialen und -texturen ist zeittypisch. Der freistehende Turm fungiert als Wahrzeichen einer ganzen Gebäudegruppe, der Aussenraum ist bemerkenswertes Werk von Gartenarchitekt Gustav Ammann.
 

Auszug aus der Schweiz. Bauzeitung 1950, Nr. 2 von Architekt Stadtbaumeister A.H. Steiner

Blick in den Gartenhof vor dem GemeindesaalEin Kirchenbau ist heutzutage keine eindeutige Aufgabe, namentlich wenn dabei der Wunsch mitspricht, eine lebensnahe Lösung zu verwirklichen. Künstlerisch gesehen ist jede kräftige Zeit sich selbst gewesen. Mit dieser Erkenntnis ist die aller grösste Hochachtung vor den stark empfunden Werken der Vergangenheit verbunden.
 
Die kirchlichen Bauten früherer Jahrhunderte sind oft das Ergebnis der Arbeit vieler Generationen. Mit Ergriffenheit stehen wir vor Leistungen wie Chartres, vollbracht ohne Kran und Betonmaschine, aber mit dem Genie der Liebe und der Aufopferung. Ein solcher Vergleich - und er ist ein überhebliches Wagnis - entmutigt. Es bleibt uns nur, das Beste zu wollen, das unserer Zeit und unsern Kräften vorbehalten ist. Wir gehen damit von einem bescheidenen Massstab aus.
  
Ein Bau für die Gemeinschaft, wie eine Kirche, ist ein Werk der Gemeinschaft. Schon die Wahl des Bauplatzes, die in unserem Fall sicher als glücklich bezeichnet werden kann, ist für die Stellung und Gruppierung der Bauten mitbestimmend. Hervorgehoben sei die Tätigkeit des Preisgerichtes, das sich seinerzeit ausserordentlich eingehend mit der Baufrage beschäftigt hat. Kaum ein anderes Bauvorhaben als eine Kirche darf mit einer grösseren Anteilnahme der Bevölkerung und einem Bedürfnis nach Mitsprache rechnen.
 
Man kann den Bau grosser Einfachheit bezichtigen. Doch erscheint mir die Einfachheit als eines der stärksten Ausdruckmittel, wenn sie nicht die Bequemlichkeit und die Phantasielosigkeit zum Ursprung hat.